Historisches

Ein Blick zurück

Die Anfänge

Im 12. Jahrhundert wurde zunächst von Mönchen des Klosters in Neuencamps (heute Franzburg) der Verteidigungsturm errichtet und man findet hier noch heute ça. 1,50 m starke Mauern. Schon bald wurde Turow zum Rittergut u.a. unter Henrikus Lüssow aus Turow, dem Großvater von Heinrich Rubenow, dem Bürgermeister in Greifswald und Gründer der Universität 1456. Es folgten die Ritter Bonow bis Mitte des 17. Jahrhunderts. 1648 fiel im Friedensschluss zu Münster und Osnabrück das Land Pommern an Schweden. Damit beginnt auch für die Wasserburg eine andere Zeit.

Turow wird an Erasmus Küssow verkauft, dieser verkauft 1681 das Gut an die Witwe Luise Grävenitz, welche 1688 die Güter an den Generalleutnant und Gouverneur zu Wismar Johann Grothusen verkauft. 1696 verkauft Baron Otto Grothusen die Güter an den Rittmeister Paschen von Plüskow. 1700 verkaufte Paschen Plüskow die Güter an Heinrich Julius von Königsheim. Baron von Königsheim war Oberstleutnant des schwedischen Königs Carl XU. Nach der verlorenen Schlacht bei Poltawa flüchtete er mit dem König zum Pascha Bendar am Dnestr in die damals türkische Provinz Bessarabien. Er blieb dort 6 Jahre und kehrte 1714 zurück. Er hat deshalb in sein Wappen einen Halbmond aufgenommen. Später war er Oberhofmeister, Vizepräses und Obrist des Herzogs  zu Mecklenburg. Er lebte von 1657 – 1722 und war verheiratet mit Auguste von Wolfradt. Sein Wappen befindet sich an einer Truhe der Wasserburg und auf der Stuckdecke im Festsaal.

Die Familie Ferber

1717 erscheint Johann Gustav von Ferber als Taufpate beim Sohn seiner Schwester in Dönnie. Hier dürfte er auch seine zukünftige Frau kennengelernt haben: Ulrike von Königsheim aus Turow. Er heiratete 1719 und erwirbt von seinen 6 Schwägerinnen die Güter Turow, Voigtsdorf, Strelow und Ölsdorf. Die Ferbers stammen aus Hessen. Der erste bekannte Ferber war Ratsherr in Straßburg/ Elsaß.
Anton von Ferber war vor 1613 Kommandant der Festung Hameln. Er war mit Anna Weidemann verheiratet. Dieses Ehepaar ist auf den schönen Bildern im Saal dargestellt. Die von Ferbers waren über zwei Generationen promovierte Juristen in Rostock. Sie erwarben und erbten die Güter Kassebohm, Varchentin, Brodersdorf, Depzow und Kobrow.

Karl-Friedrich von Ferber war Landgerichtsadvokat in Rostock. 1704 wird sein Adel erneuert. Nach Johann Gustav v. Ferber (1690-1745) bekam sein Sohn Karl-Julius (1721-1776) die Güter. Sein Bruder Gustav Fr. Anton erhielt das Gut Brönkow, das 1765 an von Rheder verkauft wurde. Karl-Julius war verheiratet mit Margarete v. Engelbrecht, Tochter des Königl. Schwed. Obertribunal-Vizepräsidenten Hermann v. Engelbrecht zu Wismar, Besitzer von Wendisch-Baggendorf.
Gustav Friedrich Heinrich (1773-1799), verheiratet mit Dorothea v. Hintzenstern, Tochter des 
schwed. Generals Karl v. Hintzenstern, erbte die Güter. Ihm folgte sein Sohn Karl Julius Friedrich (1796-1862). Da er beim Tod seines Vaters erst 3 Jahre alt war, verwaltete seine Mutter die Güter. Sie verpfändete Voigtsdorf und verkaufte es dann. Der Verkauf wurde rückgängig gemacht, als der Sohn mündig wurde. Karl Julius Friedrich von Ferber war verheiratet mit Friederike von Hintzenstern, Tochter des Hauptmanns von Hintzenstern auf Zarrentin. Durch Erbschaft kamen die Ferbers in den Besitz von Zarrentin. 1854 verkauft er die Güter Voigtsdorf und Zarrentin an seinen Sohn Carl Johann (1822-1900), der mit Auguste v. Angern verheiratet war. 1866 macht er Pleite. Voigtsdorf wird an Gutspächter Spalding und Zarrentin an Friedrich Holz verkauft. Die Güter Turow und Strelow vererbt er an Alexander Karl Wilhelm (1829-1910). Er zieht 1873 nach Strelow um, nachdem er dort ein Gutshaus gebaut hat. Turow verpachtet er. Er war verheiratet mit Emilie Schröder, Tochter des Medizinalrates Johannes Schröder aus Rostock. Schließlich verkaufte er Strelow 1882 an E. Rassow und zog nach Berlin. Wenige Jahre hatte sein Sohn Bruno das Gut pachtweise inne. 1892 wird es aber an einen anderen verpachtet.

Das 20. Jahrhundert

Mit dem Tod des Vaters kommen 1910 Bruno und seine Schwester Alexandra in den Besitz von Turow. Brunos Sohn Albrecht, schon in Berlin geboren, fällt im 1.Weltkrieg (Gedenkstein und Gedenktafel sind noch vorhanden). Bruno, von dem gesagt wird, er sei ein Lebemann, ließ sich von seiner Schwester auszahlen. So kommt Alexandra von Ferber in den alleinigen Besitz von Turow.
Fräulein von Ferber war Malerin und hatte ein Atelier im Dachgeschoss der Burg. Sie porträtierte viele Ihrer Familienmitglieder, die Bilder hängen noch heute im Festsaal und im Salon. Auch ein großes Stillleben ist im Treppenhaus zu finden.
Aber es lasten schon zu viele Schulden auf dem 304 ha großen Gut, so dass es 1927 an die Pommersche Siedlungsgesellschaft verkauft und aufgesiedelt wird. Alexandra behält die Burg mit einem kleinen Resthof von 28 ha. Sie war eine fromme Frau, die sich der Gemeinschaftsbewegung angeschlossen hatte.
In der Chronik der Kirche heißt es: “In der Woche vom 9.-16.11.1913 hielt ein Gemeinschaftspastor Jaedke aus Robe in Turow auf Veranlassung von Frl. v. Ferber Erweckungsstunden (…), die sehr anregend waren“.
1931: „In Turow werden etwa alle 6 Wochen Gottesdienste in der Schule gehalten, die sehr gut besucht werden; bis zu 75 Personen (bei 104 Einwohnern!).“ Alexandra v. Ferber. war alleinstehend und hatte keine Nachkommen.
So erbte 1939 ihr Hausdiakon Heinrich Neumann das Gut Turow. In der Kriegs- und Nachkriegszeit wohnten viele Flüchtlinge in der Burg. Auch diente sie zeitweise als Schule, der Saal sogar als Turnhalle. Wo heute der imposante goldene Kronleuchter prangt, hing früher ein Kletterseil.
Nachdem Heinrich Neumann das Restgut verpachtet hatte („abgabepflichtiges Land”), übergab er 1957 die Burg in den Besitz der Landeskirchlichen Gemeinschaft, die sich damals “Landeskirchliches Gemeinschaftswerk Ostmecklenburg” nannte. Aus einem Rittersitz wurde ein Rüstzeitheim, einmalig in der DDR! (Später durften dort bis etwa 1985 weder Kirche noch Gemeinschaft Häuser und Grundstücke kaufen).

Nach der Wende

Sieben Jahre nach der Wende sind viele positive Veränderungen erkennbar: Ein komplettes neues Burgdach, erneuerte Stuckdecke und Parkett im Ahnensaal (Festsaal), die 1993 wieder eingeweihte Burgkapelle mit den fast einmaligen Leinentapeten; Zimmer mit Nasszellen wurden eingerichtet und die Fundamente wurden mit erheblichem Aufwand stabilisiert (Landesfördermittel und Stiftung Denkmalschutz). Das Auffälligste aber ist ganz neu: Nach der Innenhoffassade bekamen auch die großen Flächen der Hauptburg der Hof- und der beiden Parkseiten ein neues, terracotta-farbenes Gewand. Einen reizvollen Kontrast dazu bilden die abgesetzten Faschen und die dunkelgrünen, stilgerechten Fenster. Glockenturm und Eingangsportal können noch im Sommer – dank der Unterstützung der „Stiftung Sparkasse Vorpommern“ -restauriert werden. Wie bei vielen Kirchen und Denkmalobjekten hat die drastische Kürzung der Fördermittel schon im Vorjahr auch die Wasserburg betroffen. Mit einem hohen Anteil an Eigenleistungen konnten die Maßnahmen begrenzt weitergeführt werden. So wurde 1996 der 300jährige, reetgedeckte Kornspeicher wieder eingeweiht.

Im Jahr 2008 übernimmt das „Blaue Kreuz“ die denkmalgeschütze Anlage als Erholungsheim und für christliche Sozialtherapie. 

Aktuell

Als die Burg 2014 wiederum zum Verkauf stand, sind die Zimmer in einem sehr renovierungsbedürftigem Zustand und die Einrichtung aus DDR-Zeiten. Alles ist sehr zweckmäßig gestaltet, und dennoch:
Der Charme der alten Bäume, das fast romantisch wirkende Gebäude mit dem kleinen Glockenturm, gut erhaltenem Festsaal und der einmaligen Kapelle überzeugen das Ehepaar Jan und Anna Barkow die Burg zu erwerben und den Ort neu zu gestalten.
Die Zimmer werden renoviert, liebevolle Details hinzugefügt, die Burg blüht wieder auf.
Sie wird seitdem als Pension und Veranstaltungsort für Hochzeiten, Gruppenreisen und Firmenmeetings genutzt.
Außerdem wurde im Jahr 2017 ein gemeinnütziger Verein gegründet, der innovative Angebote zu den Themen Gesundheit, Garten und einem sinnerfüllten Leben nach christlichen Werten anbietet. Pläne, die Burg und Nebengebäude noch weiter auszubauen sind vorhanden und sollen in Zukunft – auch mit der Hilfe von Fördermitteln – umgesetzt werden.